Kreatives Quartier Elbinsel

Kunst und Kultur im Rahmen der IBA Hamburg

Die IBA Hamburg setzt auf die Kraft von Kunst und Kultur – für die Gestaltung von urbanen Räumen, die Schaffung von Teilhabe, Bildung und Ausbildung sowie die Stärkung von Toleranz und Offenheit im gesellschaftlichen Miteinander. Unter dem Stichwort „Perspektiven statt Probleme” unterstützt die IBA Hamburg eine schrittweise kreative Quartiersentwicklung in Wilhelmsburg, auf der Veddel und im Harburger Binnenhafen.

Die Elbinseln als Kreativlabor Hamburgs: Nirgendwo sonst sind die Voraussetzungen dafür so günstig. Mit ihrem interkulturellen Flair, ihren unentdeckten Freiräumen und kleinteiligen Familienbetrieben bieten die Elbinseln das ideale Terrain für die Erprobung neuer Arbeits- und Lebensmodelle. Hier stoßen fremde Welten aufeinander, erzeugen Reibung, Spannung und kreative Energie. Das Ziel: Wilhelmsburg und die Veddel als neue Kultur-Standorte auf der Hamburger Stadtkarte zu verorten. Ein Quartier, das Migranten, Künstlern und Menschen jenseits der üblichen Qualifikationsmuster Existenz sichernde Arbeits- und Lebensbedingungen sowie Inspiration und experimentelle Freiräume bietet.

Kreative Ökonomien

Mit dem Handlungsfeld Kreative Ökonomien greift die IBA Hamburg das integrative und identitätsstiftende Potential des Diskurses auf und übersetzt ihn explizit für den Standort Wilhelmsburg. Mit der Projektreihe „Kunst macht Arbeit” entstehen neuartige Bündnisse zwischen Künstlern und Kreativen und Qualifizierungsträgern, Menschen ohne Arbeit oder migrantischen Ökonomien.

Das Zentrum für lokale Ökonomien, Bildung und Qualifizierung verbindet in innovativer Weise Stadtteilentwicklung und lokale Arbeitsmarktpolitik. Es knüpft an den vorhandenen, lokalen Qualifikationen und Potenzialen an, indem es Beschäftigungs- und Qualifizierungsvorhaben für benachteiligte Gruppen des Arbeitsmarktes mit realistischen Ansätzen der Kreativen Ökonomie zusammenführt.

„Kunst Werk Wilhelmsburg” ist ein Kooperationsprojekt von Beschäftigungsträgern, Arbeitslosen, Künstlern und Kuratoren. Es verknüpft grundsätzliche Themen wie den Umgang mit Arbeitslosigkeit, die Zukunft der Arbeitsgesellschaft oder die Entwicklung der Stadtgesellschaft mit der Rolle von Kunst in diesem Kontext.

Das Netzwerk „Musik auf den Elbinseln!” bringt bestehende Musikakteure und Kompetenzen zusammen, schafft Synergieeffekte und klärt Bedarfe. Mit einem geplanten Neubau am Bürgerhaus Wilhelmsburg sollen Anschlüsse an die Arbeit der bestehenden Initiativen zur Stadtteilentwicklung ermöglicht werden.

Das Projekt Fahrradstadt Wilhelmsburg nutzt das noch weitestgehend ungenutzte Potenzial für Fahrradtourismus im Stadtteil, um eine lokale Förderung des Wirtschaftsbereiches Tourismus anzukurbeln.

Das interdisziplinäre Projekt Stillhorn International – Terminal der unentdeckten Kompetenzen möchte die vorhandenen Kompetenzen und Produkte aus Kirchdorf-Süd auf der aufzugebenden Raststätte Stillhorn als internationalen Rast- und Marktplatz des 21. Jahrhunderts präsentieren.

Stadtteilateliers – Räume für die Kunst

Mit der nachhaltigen Infrastrukturförderung sollen kreative und künstlerische Strukturen vor Ort gefestigt und ausgebaut und Voraussetzungen für eine langfristige, lebendige Kulturszene auf den Elbinseln geschaffen werden.

Im Rahmen der IBA Hamburg werden die Veringhöfe als modellhaftes Projekt für die Kunst und die Kreativwirtschaft entwickelt – basierend auf einer Vorgehensweise, die die künftigen Nutzer von Beginn an in den Entwicklungsprozess einbindet. Im Rahmen eines ergebnisoffenen Workshops wurde eine Vielzahl an Nutzungskonzepten eingereicht, von denen eine Jury das Konzept „Künstler Community Elbinseln” (Arbeitstitel”) im Mai 2009 als finales Konzept auswählte. Mit der Sanierung der Bestandsgebäude soll noch in 2009 begonnen werden, die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts ist für Herbst 2010 geplant.

In Wilhelmsburg existiert keine dauerhafte Kunstinstitution, eine solche wird aber allgemein und mit Blick auf das Ziel einer kreativen Quartiersentwicklung gebraucht. Bereits im zweiten Jahr wird die Tonne im Rahmen des Elbinsel Sommers als Ort für die Kunst bespielt. Parallel werden optionale Betreiberkonzepte für eine längerfristige Nutzung des Ortes als „Kunst-Tonne” geprüft, um das örtliche Kunstgeschehen auch langfristig institutionell zu begleiten und zu strukturieren.

Festivals und Stadtteilaktivitäten

Das Projektmodul hebt besondere Orte der Elbinsel hervor und unterstützt kulturelle Projekte, die zum Dialog, zum Austausch und zur Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort beitragen. Vor dem Hintergrund einer nachhaltig und langfristig orientierten Veranstaltungskultur fördert die IBA Hamburg bestehende Veranstaltungen, aber auch neue Ideen, die aus dem Stadtteil kommen.

Das Dockville Festival setzt vom 14. – 16.August bereits zum dritten Mal die imposante Hafenkulisse am Reiherstiegknie mit einem umfangreichen Musik- und Kunstprogramm in Szene. In diesem Jahr wird es erneut vom Lüttville, einem einwöchigen, kostenfreien Sommercamp für Wilhelmsburger Grundschüler eingeläutet.

Das Projekt Flusslicht illuminiert vom 15. Oktober bis zum 29.November 2009 bereits zum dritten Mal die Ufer des Reiherstiegkanals mit ihren Hafen- und Industrieanlagen und setzt diese mit künstlerischen Projekten in Szene.

Zu den unterstützen Stadtteilaktivitäten in 2009 gehören: Wahrschau: Seifenopern, Spreehafenfest 2009, VHS Sommeratelier, Sommerakademie: Glück (Honigfabrik) sowie der Wilhelmsburger Ferienspaß.

Elbinsel Sommer

Der Elbinsel Sommer findet seit 2008 jedes Jahr in den Sommermonaten auf den Hamburger Elbinseln Wilhelmsburg, Veddel und im Harburger Binnenhafen statt und versteht sich als künstlerische und kontextuelle Plattform für ein aktuelles und ortsspezifisches Kunstgeschehen im öffentlichen Raum. An der Schnittstelle von Stadtentwicklung, Kunst und Alltagsleben beziehen die Projekte des Elbinsel Sommers die Bevölkerung und ihre Lebensräume vor Ort in ihre künstlerische Auseinandersetzung mit dem Stadtentwicklungsprozess der IBA Hamburg ein.

2008 fand der Elbinsel Sommer erstmals unter dem Motto „Kultur l Natur” statt, durchgeführt von dem unabhängigen Kuratorenteam Anke Haarmann und Harald Lemke. Im Januar 2009 wurde Ute Vorkoeper im Rahmen einer selektiven Kuratorenansprache für den Elbinsel Sommer 2009 als Kuratorin ausgewählt, den diese unter dem Motto „Akademie einer anderen Stadt” mit ihrer Co-Kuratorin Andrea Knobloch gestaltet.

Dialoge zum Thema Kunst und Stadtentwicklung

Seit 2007 bringt die Plattform Künstler und Kulturschaffende mit Stadtplanern und Wissenschaftlern zusammen, die gemeinsam die (Un)Vereinbarkeit von Kunst und Stadtentwicklung diskutieren.
Die Labor-Reihe fand 2009 zu den folgenden Terminen und Themen statt:

„Wovon sprechen wir, wenn wir Kunst sagen?”
Dienstag, 14. Juli 2009, 19:00 Uhr, Emmaus-Gemeindehaus:

„Räume für die Kunst – Fightclub”
Mittwoch, 29. September 2009, 19:00 Uhr, ehemaliges Kubi-Center, Am Veringhof 23b, 21107 Hamburg

„Kunst – Stadt – Entwicklung – Revue: Performative, partizipatorische Lesung”
Donnerstag, 29. Oktober 2009, 19:00 Uhr, FC Porto