Statements zu Kunst und Stadtentwicklung anlässlich der Diskussion: Wohin gehört die Kunst?
Kunst und Stadtentwicklung: Wie passt das zusammen?
Es ist eine schwierige Beziehung zwischen ungleichen Partnern, ein kompliziertes Reibungsverhältnis, bei dem man Gefahr laufen kann, von Entwicklungsprozessen verschlungen oder missbraucht zu werden. Nicht von ungefähr wollen sich derzeit so viele Künstler raushalten. Um nicht einverleibt zu werden. Und um sich nicht die Hände schmutzig zu machen. Ich dagegen vertraue – im Sinne der kulturpolitischen Agenda der Künstler der späten 1970er Jahre – auf die Potentiale, die Widerspenstigkeit und Andersheit von Kunst.
Angesichts der Gefälle, Segregationen und Teilungen innerhalb der immer transnationaler und transkultureller werdenden Stadt, sollte sich auch und gerade die zeitgenössische Kunst auf die Stadt, ihre Bewohner und ihre Entwicklungen einlassen. Deshalb geben wir im Namen der Akademie einer anderen Stadt das Geld, das für Kunst von der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt zur Verfügung gestellt wird, gern, natürlich möglichst verantwortungsvoll und umsichtig, für experimentier- wie risikofreudige Kunstprojekte in der Stadt aus.
Ute Vorkoeper, 29.4.2010
Sollen die Hamburger Elbinseln zum kreativen Quartier werden?
Ich halte es für eine fatale Entwicklung, wenn Kunstförderung durch stadtentwicklungspolitische Interessen bestimmt wird. Gute Ideen und Projekte sollten überall gefördert werden. Ich ziehe jede Art von dezentraler Projektförderung, vergeben unter Qualitätsgesichtspunkten, dem Ruf nach “kreativen Quartieren” vor. Kreative Quartiere dienen der “Paketvermarktung” und produzieren, anstelle von Möglichkeiten für Kunst vor Ort oder auch ortsunabhängig, eine mehr oder weniger homogene Interessens- und Verwertergemeinschaft. Kunst und Kultur sollten im Bewusstsein von politischen Entscheidungsträgern und wohlhabenden Privatleuten ganz grundsätzlich als lebensnotwendiges und schützenswertes Allgemeingut verankert sein. Das würde der Stadt unglaublich gut tun.
Aufgrund dieser wünschenswerten Selbstverständlichkeit finde ich es auch erst einmal völlig richtig und wichtig, dass die IBA Kultur fördert. Großartig wäre es, wenn sie die Möglichkeiten hätte, dies nicht nur in ihrem Gebiet zu tun, sondern in der ganzen Stadt. Die Konzentration auf Wilhelmsburg produziert einen Gentrifizierungsprozess, der schlimmstenfalls langfristig zu einer ebenso homogenen Stadtteilgemeinschaft führt, wie sie ein “kreatives Quartier” im Kleinen erzeugt. Diesem Mechanismus müssen die IBA, die Stadt, aber auch Akteure wie die SAGA/GWG durch bewusste Entscheidungen entgegenwirken. Es kann nicht sein, dass Wohnungen auf der Veddel und in Wilhelmsburg nur noch an deutsche Studenten und “Kreative” vermietet werden, wie es zum Teil bereits geschieht.
Britta Peters, 29.4.2010
Kunstverein Harburger Bahnhof
