VERSCHIEDENE ANSICHTEN TEILEN
Kunst in der Stadt
IBA LABOR in Hamburg Wilhelmsburg, 11.11. – 12.11.2011
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Vortrag
Kunst als praktische (Stadt)Intervention zur Identitätsbildung
Mustafa Tazeoglu, Christine Bleks
Urban Rhizome – Agentur für Stadt|Kultur|Ökonomie (Duisburg)
FREITAG, 11.11.2011, 15:45 Uhr
Haus der Jugend Kirchdorf
Krieterstraße 11, 21109 Hamburg
Kunst als praktische (Stadt)Intervention Die Agentur für Stadt|Kultur|Ökonomie Urban Rhizome hat ihren Sitz in Duisburg-Marxloh, einem Ruhrgebiet-Stadtteil mit »besonderem Erneuerungsbedarf«. Der Stadtteil erholt sich eben erst von seiner Stigmatisierung als »Ghetto« oder »Klein Istanbul«. Vorangetrieben durch die Imagekampagne »Made in Marxloh« des »Medien-Bunkers Marxloh« sowie durch bürgerliches Engagement schwingt das urbane Pendel des ehemaligen »Schmuddelviertels« in die entgegengesetzte Richtung: Durch erfolgreiche Aktionen wie »100 Bräute für Marxloh« im Rahmen der A40 Sperrung während der Kulturhauptstadt 2010, durch internationale Kunstprojekte wie »En Maand Marxloh« oder die Wanderausstellung ».nl.de.tr/turkishconnections« wandelt sich das negative Image.
Identität durch Kontingenzerfahrung in der Kunst
In der Kunst gefällt uns Gebildeten, Modernen und Postmodernen besonders das Verstörende, das Irritierende und der zweifelnde Blick auf Gewohntes und Alltägliches. Die Kunst soll zum Nachdenken anregen, sie soll Verletzungen von Konventionen offensichtlich machen und den Perspektivwechsel in neuem Gewand präsentieren. Wir preisen die künstlerischen Rebellen, die Unangepassten und Wilden, die uns unsere alltägliche Engstirnigkeit durch die Produktion von Kunst vor Augen führen. Solange wir den Zeitpunkt selbst wählen und Kunst in einem geschützten Raum, in einer Galerie oder in einem Theater stattfindet, reflektieren wir ein Kunsterlebnis als Erweiterung des Horizonts und verbuchen es unter »kultureller Bildung«.
Die Urheber unserer künstlerischen Erlebnisse, die Künstler, stehen außerhalb unserer Normalität. Wir sind froh darum, dass sie uns nicht zu nahe kommen, dafür aber unser tägliches Leben irritieren und uns ihre Sichtweisen – und unseren Kleingeist – dauernd vor Augen führen. Zum Glück kommt kein Künstler auf die Idee, ungefragt unsere Wohnung als Ausstellungsfläche zu okkupieren! Diese Art der Irritation verstünden wir dann nicht als »kulturelle Bildung«, sondern als Hausfriedensbruch. Betrachten wir die Kunst als ein Ausdruckmittel der Selbstbeobachtung, zeigt sich ihre hervorragende Stellung als Mittel zur Identitätsbildung einer »Kultur«. Sie erzeugt »Reibung« durch Irritation, indem sie uns daran erinnert, dass unsere Welt kontingent ist: Die Welt ist so, wie wir sie kennen – aber sie könnte auch anders sein. Es gibt eben verschiedene Ansichten. In diesem Sinne profitiert eine Stadt in ihrem immerwährenden Prozess der Identitätsbildung.
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Urban Rhizome: Mustafa Tazeoglu, Christine Bleks, gegründet 2011
Mustafa Tazeoglu ist in Duisburg-Marxloh geboren und aufgewachsen. Für die Europäische Kulturhauptstadt Ruhr.2010 leitete er das Projekt Kreativ.Quartiere
Christine Bleks ist im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen. Sie arbeitete als Projektmanagerin und Redakteurin für das 2010LAB.tv, das virtuelle Online-Labor der Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr.2010


