VERSCHIEDENE ANSICHTEN TEILEN
Kunst in der Stadt
IBA LABOR in Hamburg Wilhelmsburg, 11.11. – 12.11.2011
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Vortrag
Anlässe für Umwege. Akademie einer anderen Stadt 2009/10
Andrea Knobloch (Akademie einer anderen Stadt, Hamburg)
FREITAG, 11.11.2011, 12:15 Uhr
Haus der Jugend Kirchdorf
Krieterstraße 11, 21109 Hamburg
Mit der durch Wilhelmsburg und die Veddel Wandernden Akademie und dem Veranstaltungsprogramm der Akademie vor Ort im Jahr 2009 begann die Akademie einer anderen Stadt eine Bewegung auf etwas zu, das zwar schon benannt aber noch zu entdecken war: die andere Stadt. Sie durchwirkt den Alltag und wird kurzzeitig sichtbar, sobald gewohnte Ordnungen für Momente aufreißen. In Routinen verfangen überlässt man sich ihrer Anziehungskraft nicht ohne weiteres. Zudem wird das Abweichen vom Gewohnten oft als Umweg oder Verunsicherung und damit als überflüssig empfunden. Trotzdem wurde die Wandernde Akademie auf ihren Streifzügen durch die Stadträume der Elbinseln, ebenso wie das sich an ungewöhnlichen Orten ereignende Wissen der Akademie vor Ort, für viele zu Anlässen für Umwege.
Der Kunst-Parcours Aussicht auf Veränderungen quer durch Hamburg entlang der S-Bahn Linie 3, realisiert im Jahr 2010, forderte ebenfalls zur Unterbrechung des Alltäglichen auf. Die rund um die Stationen Harburg, Wilhelmsburg, Veddel, Landungsbrücken und Altona platzierten besonderen Raumbildungen der Kunstprojekte verführten zwischen Aus- und Einsteigen zur Umwegung des allzu Bekannten und räumten dem Unvorhergesehenen einen Platz im Stadtgefüge ein.
Der Vortrag berichtet über die Bewegungen der Akademie in dieser und in einer anderen Stadt.
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Andrea Knobloch lebt und arbeitet in Düsseldorf und in Hamburg, Künstlerin und Kuratorin der Akademie einer anderen Stadt – Kunstplattform der IBA Hamburg von 2009 bis 2011, die sie zusammen mit Ute Vorkoeper entwickelt und 2009 gegründet hat
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Kunst einer anderen Stadt
Textauszug
Andrea Knobloch: Über das Einrichten unerwarteter Abzweigungen
In: Kunst einer anderen Stadt. Ute Vorkoeper, Andrea Knobloch (Hg.). Berlin: Jovis, 2011
S. 146-159, zit. S. 148, S. 153, S. 154, S. 156
»Die sogenannte »Außenperspektive« ist wegen ihres neugierigen Interesses für das Alltägliche mehr als eine Floskel, die erfunden wurde, um das in seinen Gewohnheiten festgetrocknete »Lokale« aufzuweichen. Sie bringt den Alltag, die alltäglichen Handlungsweisen, Gestaltungen und Raumkonstruktionen überhaupt erst in die Sichtbarkeit zurück, aus der sie der routinierte Nutzer verdrängt hat.«
»Orte haben eine »Aura«. Wenn sie aus dem fortlaufenden Nacheinander der Nutzungen in die um sich selbst kreisende Zeit natürlicher Prozesse zurückfallen, weil sie nicht mehr instand gehalten oder ganz und gar aufgegeben wurden, dann spürt man eine dichte Stille, in der alle vergangenen Momente geborgen sind. Die Unermesslichkeit all dieser Momente lagert wie ein schwerer und verdichteter Materialklumpen auf dem Grund solcher Orte. Das Gravitationsfeld darum herum ist ihre Aura.«
»Sich orientieren heißt, Sicherheit über den momentanen Aufenthaltsort dadurch zurückzugewinnen, dass man eine topografische oder inhaltliche Beziehung zu bekannten Orten und Ordnungen herstellt.«
»Anlass für Erzählungen über den Teil der Stadt, den man selbst belebt, sind Ereignisse, mit denen nicht zu rechnen war und die sich nicht in die bekannten oder erwünschten Ordnungen fügen.«
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Art of Another City
Excerpt from the book
Andrea Knobloch: About Unexpected Possibilities of Branching Out
in: Art of Another City. Ute Vorkoeper / Andrea Knobloch (eds.), Berlin: Jovis, 2011
pp. 146-159, cit. p. 147, p. 152, p. 153, p. 155
»The so-called outsider perspective, because of its curiosity about daily life, is more than a cliché that was invented to take apart what is »local« and set in its ways. It makes daily life, everyday ways of going about things, shapes, and spatial constructions visible again, which those who are very familiar with them have suppressed.«
»Places have an »aura.« When their continuous series of usages comes to an end and they are subject to stagnant natural decline – because they are no longer maintained or are totally abandoned – then one can feel a heavy silence enveloping all of the past moments. The immensity of all these moments is stored like a heavy and dense clump of material on the grounds of such sites. The gravitational field around them constitutes their aura.«
»To orientate one’s self means to regain confidence in one’s current whereabouts by creating a topographical or contextual connection to familiar places and orders.«
»The reason for talking about a part of the city one has experienced is the occurrence of unexpected events that do not fit into the familiar and sought-after order of things.«


