Wohin gehört die Kunst?
Diskussionsrunde im Kunstverein Harburger Bahnhof am 29.04.2010
Sie gehört in die ganze Stadt! meinen die Teilnehmer/innen der Diskussionsrunde. Aus unterschiedlichen Perspektiven berichten Karin von Welck, Yvonne Fietz, Martin Köttering, Britta Peters, Ute Vorkoeper und Kurt Wettengel von ihren Erfahrungen und tauschen sich über Handlungsspielräume zeitgenössischer Kunst aus. Welchen Veränderungen sind traditionelle Kunstinstitutionen unterworfen? Was bedeutet das für eine zukunftsweisende Kulturpolitik und neue Arten der Fördermittelvergabe?
Dass die Kunst ins Museum gehört, ist spätestens seit den 1960er Jahren immer weniger klar. Es sind oft andere, unvermutete Orte und Kontexte, an denen Kunst stattfindet oder in gesellschaftliche Prozesse und Diskussionen eingreift. Mit der fortschreitenden Erweiterung der Kunstbegriffe und den neuen Kontextualisierungen werden Grenzziehungen zwischen den Kunstsparten zunehmend undeutlicher. Malerei, Bildhauerei, Zeichnung, Fotografie, Video und Film, Fernsehen und Internet, Konzeptkunst, Happening und Performance gehen mitunter unlösbare Verbindungen ein. Zudem suchten und suchen Künstler/innen verstärkt die Zusammenarbeit mit Theater, Musik, Tanz, Kino und Internet oder eignen sich Techniken und Formate aus diesen Bereichen an.
Diese Mischformen künstlerischen Handelns finden vielfältig charakterisierte Aktionsräume: Öffentliche wie private Institutionen, Sammlungen und Stiftungen, Schulen, Kirchen, soziale und kulturelle Träger, Vereine und Initiativen, verschiedene Off-Szenen, aber auch Wirtschaftsunternehmen und alle Arten öffentlich zugänglicher Räume werden zu Orten der Kunst. Sie eröffnen Räume von ganz unterschiedlicher Qualität für künstlerisches Handeln, mit denen die Begriffe und Kategorien der bürgerlichen Kunst erneut in Frage gestellt sind. Kunst geht zurzeit gern in Off- und Gegenkulturen auf; an die Stelle von Kultur tritt Inter- oder Transkulturalität und Stadtkultur hat den Begriff der Soziokultur abgelöst. Auffällig ist, dass der weiter gefasste Begriff der Kultur in all diesen Wortpaaren wie ein Versprechen klingt. Ein Versprechen auf die Möglichkeit der Herstellung von noch unergründeten, neuen Orten für ein gemeinsames Denken und Handeln – für die Auseinandersetzung mit vielfältigen Lebensentwürfen, kulturellen Gewohnheiten und Traditionen in der Gegenwartsstadt ebenso wie für respektvolles Voneinander-Lernen.
Zu der Frage, wohin also die Kunst heute gehört, ist deshalb eine Runde von Kunstvermittlern und Kulturschaffenden eingeladen, die jeweils unterschiedliche Versuche zur Positionierung der Kunst in der Gesellschaft erproben oder einfordern. Diskutiert werden neben Revisionen traditioneller Kunstbegriffe und Kunstinstitutionen, die Handlungsspielräume für Kunst anhand der verschiedenen Ansätze einer „Kunst in der Gesellschaft“. Darüber hinaus beschäftigt die Runde die Frage, nach den Ansatzpunkten für ein kulturpolitisches Umdenken bis hin zu Veränderungen in der Fördermittelvergabe.
Moderation: Ruth Asseyer, Journalistin, Hamburg
Es begrüßt Uli Hellweg, Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg



