Last 3 cars to Poppenbüttel

Zeichnungen und Plakate von Katrin Ströbel

S-Bahnhof Veddel, S-Bahnsteig, Großwerbefläche, Position (6)
Diashow auf Vimeo

Katrin Ströbel, "Last 3 cars to Poppenbüttel", 2010, Zeichnungen und Plakate, courtesy/copyright Akademie einer anderen Stadt, Katrin Ströbel, Fotografie: © Akademie einer anderen Stadt, Andrea Knobloch

Im städtischen Alltag umgeben uns unendlich viele Zeichen und Gesten, die wir nur beiläufig und strukturell wahrnehmen. Die Anordnung der Häuser in einem Straßenzug, die genehmigten und die wilden Werbebotschaften, Graffiti und Tags, die Gestaltungen von Geschäften und Wohnungen, die Kleidung, das Styling und die Gesten der Menschen an einem Ort mischen sich in unseren Augen zum Gesamtbild eines Stadtteils. Es sind weniger die Besonderheiten als die Allgemeinheiten, die wir – wie mit zusammen gekniffenen Augen – von Stadtregionen im Alltag wahrnehmen.

Katrin Ströbel achtet dagegen auf die kleinen und kleinsten Details, auf die besonderen, die fremden oder befremdlichen Zeichen ebenso wie auf die abenteuerlichen Zeichenvermischungen, die sich in die Straßen Hamburgs hineingeschrieben haben. An vielen Stellen überkreuzen sich Zeichenketten aus allen möglichen Herkunftsgebieten, um sich an signifikanten Stellen wieder zu trennen. So wird beim „Falafelzauber“ in Altona sanft vegetarisches Fastfood angeboten, während es bei den Würstchenbuden an den Landungsbrücken ruppigdeutsch heißt: „An den Tischen herrscht Verzehrzwang“. In welcher Weise getrennt oder gekreuzt Botschaften und Zeichen aus verschiedenen kulturellen und ethnischen Kontexten auftauchen, sagt deutlich etwas über die soziale und kulturelle Atmosphäre eines Stadtraums aus.

Für „Aussicht auf Veränderungen“ zeichnet Katrin Ströbel die Spuren und Wege solcher Zeichen oder Gesten entlang der S-Bahnstationen der S 3 nach. Sie sucht darüber hinaus den Dialog mit Menschen an der Strecke, hört auf ihre Kommentare und kritischen Fragen. Die Reaktionen ihrer Gesprächspartner fließen ebenso in die Zeichnungen ein wie die Eigenheiten und Atmosphäre der ausgewählten Standorte. Notwendig taucht Schrift in den meisten ihrer Zeichnungen auf – die gesehenen Botschaften oder Notizen und Bemerkungen aus Gesprächen.

Die zeichnerischen, bald verdichteten, bald vereinfachten Registrierungen werden dann von der Künstlerin auf der Riso-Druck-Maschine des Kunstvereins Harburger Bahnhof vervielfältigt und im September als neue Zeichen auf Postern und Großplakaten in den Stadtraum entlang der S 3 hinein getragen. Die verschiedenen Motive wandern so durch die ganze Stadt. Zu finden sind sie verstreut im Stadtraum, auf einem Fries an der S- und U-Bahnstation Landungsbrücken, auf Großwerbeflächen auf der Veddel und in Wilhelmsburg. Alle Motive werden im Vorraum und im Magazinraum des Kunstvereins Harburger Bahnhof vorgestellt und zum Mitnehmen ausgelegt.

Katrin Ströbel, geboren 1975 in Pforzheim, lebt und arbeitet in Stuttgart und Frankfurt/M., dort als Dozentin an der Universität Frankfurt. Sie studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und Germanistik an der Universität Stuttgart. 2009 war sie Stipendiatin bei art3  in Valence, Frankreich, und 2008 erhielt sie ein Stipendium der Cité Internationale des Arts, Paris. Längere Arbeitsaufenthalte führten sie nach Frankreich, Marokko, Senegal, Nigeria und Südafrika. Sie nimmt international an Ausstellungen teil und hat 2010 Einzelschauen u. a. in der 14-1 Galerie in Stuttgart, im Espace Kugler in Genf und in der Galerie Heike Strelow in Frankfurt. 2009 stellte sie u. a. im Goethe-Institut in Dakar (Senegal), Frühsorge Contemporary Drawings, Berlin aus.