Identity Check

Kleider-Collagen von Ólafur Gíslason und Schüler/innen der Schule G 6 / FOS

Ehemaliges Restaurant, 1. Etage, Neue Große Bergstraße 18, 22767 Hamburg,
Position (2) und S-Bahnhof Altona, Gleis 3 / 4, Vitrine auf dem Bahnsteig, Position (6)
Diashow auf Vimeo

Ólafur Gíslason, "Identity Check", Kleider-Collagen, Abb.: Workshop mit Ólafur Gíslason und Schüler/innen der Schule G 6 / FOS, 2010, courtesy/copyright Akademie einer anderen Stadt, Ólafur Gíslason

Die Schule abzuschließen, eine Ausbildung zu beginnen, sich in ungewohnten Berufsumgebungen und neuen Verhältnissen einzufinden, das sind die Aufgaben, denen sich junge Menschen zwischen 16 und 22 Jahren stellen müssen. Bei der Suche nach neuen Rollen geht es darum, ein „eigenes“ Leben zu entwerfen. Selbstbild und Außenwirkung verändern sich. Diese Verwandlungen werden nicht zuletzt sichtbar an der Selbstdarstellung durch Kleidung, Gesten und Körperhaltungen.

Ólafur Gíslasons Projekt „Identity Check“ setzt an diesem Punkt des Umbruchs und des Aufbrechens an. Jugendliche Fachoberschüler wählen aus ihrem Kleiderfundus alte und neue Lieblingsstücke aus, legen den Stoff ab, der ihnen „zweite Haut“ war, und erfinden gemeinsam eine neue, collagierte „Identität“. Sie trennen die abgelegten Hosen, Röcke, T-Shirts und Pullover entlang der Nähte in ihre einzelnen Bestandteile und vernähen sie zu Stoffbahnen, aus denen wiederum großflächige Fahnen entstehen.

Das Zerlegen der Kleidung und neue Zusammenfügen ist wie eine handwerkliche Analyse eigener und fremder Selbstbilder. Kann man Identitäten abstreifen und anlegen, wie man einen zu eng gewordenen Mantel gegen einen weiteren tauscht? In welche Kleiderordnungen fügt man sich ein, gegen welche sträubt man sich? Das abgelegte Kleidungsstück steht für den Abschied von vergangenen Lebensphasen.

Geschützt in Vitrinen am Bahnhof Altona, in den Räumen der Neuen Großen Bergstraße 18 oder auch weithin sichtbar an den Masten der Jugendherberge „Auf dem Stintfang“ direkt an den Landungsbrücken werden die Kleiderfahnen gezeigt. Sie verweisen auf bevorstehende und sich bereits vollziehende Veränderungen, auf die damit verbundenen Verluste und auf den hinzugewonnenen Raum für neue Kleider, neue Entwürfe und Perspektiven.

ABSATZ

Beteiligte Lehrer/innen: Stefanie Eidt-Kuhl, Nicolette Gahleitner, Conny Heyen, Christina Kaltenschnee, Mark Wendt, Katrin Vollmers

Ólafur Gíslason, geboren 1962 in Reykjavik, Island, lebt und arbeitet in Reykjavik und Hamburg. Fremdsein und Entwurzelung, jugendliche Beziehungen, gesellschaftlicher Strukturwandel und die Mechanismen des Kunstbetriebs sind wiederkehrende Themen seiner Arbeiten. Er arbeitet dabei immer kontextbezogen und partizipativ. Seit den 1990er Jahre interessieren ihn alltägliche und verborgene kulturelle Fertigkeiten und soziale Praktiken. Und er bringt Menschen dazu, diese Fertigkeiten sowie ihre Vorstellungen und Gedanken in ungewöhnlicher, unvorhersehbarer Form zu artikulieren. Er entwirft gemeinsam mit den Teilnehmer/innen Inszenierungen für die Ergebnisse.  1992 wurde er mit dem Richard Serra Preis ausgezeichnet und erhielt zwischen 1997 und 2002 verschiedene Arbeitsstipendien für bildende Künstler in Island, Hamburg und Bonn. Zuletzt war er von 2007-2009 Quartierskünstler (ein Stipendium der SAGA-GWG) auf der Hamburger Elbinsel Veddel. 2008 wurden seine Arbeit „Homestories“ im Center for Contemporary Art in Kiew gezeigt.