Neue Große Bergstraße

Videoarbeiten „Palais Modern“ von Daniela Lehmann Carrasco und „Betongewitter“ von Ólafur Gíslason

Ehemaliges Restaurant, 1. Etage, Neue Große Bergstraße 18, 22767 Hamburg, Position (2)
Diashow auf Vimeo

2006 haben Ólafur Gíslason und Daniela Lehmann Carrasco Videos über die Neue Große Bergstraße erstellt, die damals in der Ausstellung Stile der Stadt vor Ort gezeigt wurden.

ABSATZ

Palais Modern

Video,  ca. 8 Min. von Daniela Lehmann Carrasco

Daniela Lehmann Carrasco, "Palais Modern", Video, 2006, Filmstill, courtesy/copyright Daniela Lehmann Carrasco

Seit Jahrzehnten wird Altona Altstadt durch einen gigantischen Betonklotz, das „Frappant“, geprägt. Seine schiere Größe macht das Gebäude unumgänglich, es verstört und wirkt unheimlich, besonders seitdem vor Jahren das Kaufhaus ausgezogen ist und der Koloss verkommt. Daniela Lehmann Carrascos Video gibt ein sonderbares Zeugnis von seinem unbestimmten Endzustand. Zum einen zeigt es ihn als unbelebte Ruine, zum anderen wird das spätmoderne Monstrum unerwartet zu einem schönen Ornament, zu einer schwebenden Welt zwischen zwei Himmeln, irgendwo im utopischen Nirgendwo – einer Welt, in der das Leben leicht und bequem dahin fließen könnte. Auch wenn man beim Anblick der wüsten Realität daran zweifeln mag, aber hier klingen die Visionen der Planer und Architekten aus Moderne und Spätmoderne an, die daran glaubten, dass sie die Welt nach den Bedürfnissen des Menschen bauen können – bis die Realität die Untiefen und Grenzen der Planbarkeit erwies.

Ihre utopischen Hoffnungen gehen zum letzten Mal unter, wenn IKEA die endgültige Abrissgenehmigung erteilt worden und ein neuer Koloss an die Stelle des alten getreten sein wird. Mit dem SB-Möbelkaufhaus mitten in der Stadt beginnt eine nächste, nicht minder fragliche Bau-Ära im Umfeld der mittlerweile nicht mehr so neuen „Neuen Großen Bergstraße“.

Daniela Lehmann Carrasco wurde 1967 in Santiago de Chile geboren und lebt heute in Berlin.

ABSATZ

Betongewitter

Video, 2006, von Ólafur Gíslason
Betongewitter auf Facebook

Ólafur Gíslason, "Betongewitter", Video, 2006, Filmstill, courtesy/copyright Ólafur Gíslason

Ólafur Gíslasons Video „Betongewitter“ berichtet über den Aufstieg und Fall der Neuen Großen Bergstraße in Hamburg Altona. Gíslason hat den historischen Aufriss und die Analyse der Stadtentwicklung vor Ort in eine raumplastische Performance übersetzt. Abgefilmt wird ein hölzernes Gebäude aus verschieden großen Kuben, in die kreisrunde Aussparungen gesägt sind, gerade groß genug, dass aus ihnen die Köpfe junger Männer herausragen können. Und diese jungen Männer sprechen im Wechsel über die Neue Große Bergstraße, aber nicht mit eigenen Worten, sondern in der nüchternen und präzisen Sprache des Altonaer Baudezernenten Dr. Reinhold Gütter, den Gíslason für das Video interviewte. Durch die Inszenierung gewinnen die Beschreibungen und Analysen eine unangenehme und erschreckende Plastizität: In ihrer absurd bedrängten Lage sprechen die jungen Männer mit einer unerhörten Abgeklärtheit über Stadtentwicklungsprozesse, die sich unkontrollierbar verselbständigt haben.

Ólafur Gíslason wurde 1962 in Reykjavik geboren und lebt in Hamburg und Reykjavik.