Sammelsurium
Raumbild von Esra Ersen in Kooperation mit dem Museum Elbinsel Wilhelmsburg e.V., Bewohner/innen der Elbinseln und dem Sozialkaufhaus Sammelsurium, einem Projekt der AIW Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg gGmbH
Sozialkaufhaus Sammelsurium, Krieterstraße 18 (Eingang Berta-Kröger-Platz), 21109 Hamburg, Position (2)
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Das Museum Elbinsel Wilhelmsburg e.V. ist ein kleines Heimatkundemuseum, das ehrenamtlich betrieben wird. Im ehemaligen Kirchdorfer Amtshaus, auf dem Gelände eines niedergegangenen Schlosses, sind seit über 40 Jahren historische Fundstücke aus Wilhelmsburg und dem ländlichen Kirchdorf zusammen getragen und liebevoll arrangiert.
Die hier gesammelten Einrichtungen, Kleider und Dinge aus der deutschen Vergangenheit nimmt Esra Ersen zum Ausgangspunkt einer Arbeit über die Bedeutung und Kompliziertheit der Begriffe Heimat und Tradition. Die Künstlerin möchte einige der historischen Alltagsgegenstände – meist landwirtschaftliche Werkzeuge und bäuerliche Einrichtungsgegenstände – entleihen und für einen Monat in ein erweitertes Bild- und Raumgefüge einbringen. Sie werden neben Alltagsdinge gestellt, die sie von Bewohner/innen der Elbinseln, Einwanderern und ihren Nachkommen in Deutschland gesammelt hat.
Esra Ersen entwickelt aus den alten und neuen Dingen des alltäglichen Gebrauchs, die verschiedenen Zeiten, verschiedenen Heimatvorstellungen und verschieden Kulturen entstammen, ein begehbares, collagiertes Bild im Raum. Die Künstlerin denkt dieses dreidimensionale Bild als eine „organische Mischung“, eine unentwirrbare Verschmelzung der vielen verschiedenen Teilstücke, die nicht länger zu separieren sind, sondern nur in engster Verknüpfung miteinander zu sehen und zu verstehen sind. Es entsteht so ein aktuelles, vielfach verfugtes und widersprüchliches „Heimatbild“. Es betrifft alle, so wie die veränderte, veränderliche und komplexe Welt, die besonders in der Stadt erfahrbar wird, alle gleichermaßen angeht, die „Einheimischen“ wie die „Zugewanderten“.
Dieses transkulturelle Gesamtbild schiebt sich über behauptete Heimatbilder und die schlichte Vorstellung, dass Heimat dort ist, wo man geboren wurde. Es wird einerseits spontan alle ansprechen, die etwas von sich oder ihrer Geschichte in ihm wieder finden, andererseits aber bleibt es in seiner Gesamtform für alle gleich unbekannt, mal exotisch, mal verlockend, oft auch irritierend unaufregend. Es steht damit allen eindimensionalen Berufungen auf Tradition und der Trauer über Verluste entgegen. In ihm zeigen sich die Schönheit, die Brüchigkeit, die Vergänglichkeit wie die Vereinbarkeiten der Heimatvorstellungen, die gegenwärtig auf den Elbinseln kursieren. Die Spannung aus Vertraut-Unvertrautem, aus Harmonien und Konflikten macht die Besichtigung des Raumbildes zu einer Erfahrung mit unbekanntem Ausgang.
Dank an: Museum Elbinsel Wilhelmsburg e.V.: Dr. Jürgen Drygas, Anke Holtmann, C.-P. Rathjen, Wolfram Rettich; Sozialkaufhaus Sammelsurium: Stefanie Thoms, Anja Kazocins, AIW Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg gGmbH, Möbelhilfe Süderelbe e.V.: Horst Junge, Eveline Aust; Aika Schnacke, Gülcan Yacici
Esra Ersen, geboren 1970 in Ankara, Türkei, lebt und arbeitet heute in Berlin. Ihre Erfahrungen und Anregungen erhält die Künstlerin, deren Arbeiten 2009 in der Ausstellung „Tarjama/ Translation“, im Queens Museum of Art, New York, gezeigt wurden, aus ihren vielen Lebensstationen. Sie hat weltweit in verschiedenen Ländern gelebt und gearbeitet und ihre Werke in direkter Antwort auf den jeweiligen Wohnort konzipiert. Einzelausstellungen: „Passengers“, Tanas, Berlin, 2009; „Elsewhere“, Kunsthaus Baselland, Basel, 2007; „Esra Ersen“, Frankfurter Kunstverein, Frankfurt, 2006; Works 1998-2005, OK Centrum für Gegenwartskunst, Linz, 2005; „If You Could Speak Swedish…“, Moderna Museet, Stockholm, 2001. Teilnahme an Gruppenausstellungen wie der 27th Sao Paulo Biennial, 2006, the 4th (1995) and 8th (2003) Biennial of Istanbul, the Liverpool Biennial, 2006, the 4th Kwangju Biennial, 2003 and the Manifesta 4 Europe Biennials, 2003.



