Wo jiao Yu Ren

Installation mit Video, 4 min, Shanghai, April 2009

Still aus "Wo jiao Yu Ren", 2009, courtesy/copyright: Rainer Ganahl

Still aus "Wo jiao Yu Ren", 2009, courtesy/copyright: Rainer Ganahl

Themen der postkonzeptionellen Arbeiten Rainer Ganahls sind Sprache, das Bildungssystem, Medien und Politik. So zeigt beispielsweise seine Fotoserie S/L (Seminars/Lectures) Vorlesungen und Vorträge an Universitäten weltweit. Ganahl schaut auf die Redner und das Publikum, nimmt die erschöpfenden und die lustvollen Momente der Lehr-Lern-Situationen auf. In seinen seit 1995 veranstalteten Leseseminaren liest er verpönte und umstrittene linke bis ultralinke Literatur (von Marx bis Mao) in Antwort auf das jeweilige soziale und politische Umfeld gemeinsam mit interessierten Menschen.

Kristian Woznicki:
In Projekten wie 5 Days a Week, 6 Hours a Day – Basic Korean setzt du dich dann tatsächlich dem Prozess des Fremdsprachenerwerbs aus. Welche Bedeutung hat das Sprachenlernen für dich im Zusammenhang mit der Produktion von Kunst?

Rainer Ganahl:

Das Lernen ist das Rückgrat meiner Gehversuche und die Rechtfertigung einer visuellen Produktion, die nicht-retinale Präferenzen privilegiert. Ich könnte auch sagen, das Lernen ist mein Anti-Alzheimerprogramm und/oder meine Anti-Depressivmedizin; es ist die billigste Art, teuren Psychotherapierechnungen zu entkommen. Es ist wahrscheinlich auch ein Easy-jet Ticket ins Nirgendwo der Nachmittage, die unaufgelesen sich am Rande einer Kunstproduktion akkumulieren; eine Süßspeise für Diabetiker unter Einfluss; ein Ersatz für monastische Spreizübungen vor dem Schlafengehen; ein Schutz vor Wahnsinn und nicht zuletzt das Abklopfen eines oxidierenden Fabrikkessels, der Sinn auf Unsinn reimt. Anders gesagt: Ich verkaufe nicht viel, aber ich lerne wenigsten etwas (Es macht Sinn ohne Kunst als Kontext).
(Auszug aus einem Interview mit Krystian Woznicki)

Rainer Ganahl, geb. in Bludenz, Österreich, lebt und arbeitet in New York. Er studierte in Innsbruck und Düsseldorf Philosophie, Geschichte und Kunst und nahm im Jahr 2000 am Whitney Independent Study Program in New York teil. Seine Arbeiten wirken weniger künstlerisch als pädagogisch, wenn er Lektüreseminare organisiert und gibt oder viele Stunden damit verbringt, Fremdsprachen zu lernen. Jedoch beschäftigt ihn hierbei nicht so sehr das erworbene Wissen als viel mehr die Ideologie, welche diesen Situationen innewohnt ? um diese Situationen zu verändern, Situationen zu schaffen, welche nicht vom Machtkampf um Wissen dominiert werden. Rainer Ganahl stellte u.a. zuletzt im Kunstmuseum Stuttgart aus (The apprentice in the Sun, 2007), auf der Biennale Venedig (2007, 2009) und auf der Shanghai Biennale 2008. Er bereitet gerade eine Einzelausstellung im MAK, dem Museum für angewandte Kunst in Wien, vor.