Accent Elimination

Videoinstallation, 2005

Installationsansicht "Accent Elimination", 2005, courtesy/copyright: Nina Katchadourian

Installationsansicht "Accent Elimination", 2005, courtesy/copyright: Nina Katchadourian

Meine im Ausland geborenen Eltern leben schon seit über 40 Jahren in den Vereinigten Staaten und haben beide einen sehr ausgeprägten und doch schwer zuzuordnenden Akzent. Ich habe diese Akzente weder übernommen noch war ich jemals in der Lage, sie exakt zu imitieren.

Inspiriert durch ein Kursangebot zum Beseitigen von Sprachakzenten, begann ich, gemeinsam mit meinen Eltern und dem professionellen Sprach-Coach Sam Chwat intensiv über mehrere Wochen zu arbeiten, um den Akzent meiner Eltern zu ‘neutralisieren’ mit dem Ziel, dass sie das ‘akzentfreie’ Englisch ihrer Tochter annehmen und ich mir gleichzeitig diese beiden Akzente beibringe.

Die bloße Existenz solcher Kursangebote lässt die Komplexität von Assimilation und Selbstbild erkennen. Es zeigt das Manövrieren zwischen dem Verlangen des Erhalts bestimmter Eigenschaften der eigenen Kultur auf der einen Seite und auf der anderen Seite das Verlangen, diese Merkmale zu verbergen, um weniger fremd zu erscheinen. Das Video zeigt meine Eltern und mich bei dem Versuch des Hörens und Imitierens von etwas, was so nah und gewohnt ist, und doch gleichzeitig so schwer anzueignen ist.

Der Akzent ist im übertragenen Sinne behandelt worden wie ein Erbstück, und das Projekt illustriert die Herangehensweise, dieses schwer fassbare und ultimativ kulturell determinierte Attribut zu transferieren.

Die Sechskanal-Videoinstallation zeigt auf drei Monitoren ein synchronisiertes Gespräch, geschrieben von meinen Eltern, welches zuerst in ihrem natürlichen Akzent gesprochen wird und anschließend in unseren geliehenen Akzenten. Das mittlere Video zeigt Ausschnitte unserer Übungen in meinem Studio und ist so geschnitten, dass es mit den Mustern und Wiederholungen der verschiedenen Wörter umgeht.
(Nina Katchadourian, Text)

Nina Katchadourian, geboren 1968 in Standford, Kalifornien, USA. Sie wuchs auf, indem sie jeden Sommer auf einer kleinen finnischen Insel verbrachte, wo sie auch heute noch regelmäßig lebt und arbeitet. Ihre Arbeit besteht aus einer vielfältigen Mixtur von Medien: Fotografie, Skulptur, Video- und Sound-Installationen. Sie zeigt ihre Arbeiten weltweit an Orten wie dem PS 1/ MoMA Queens/New York, der Serpentine Gallery, New Langton und im Palais de Tokyo Paris. Im Januar 2006  gestaltete das Turku Art Museum, Helsinki, eine Soloausstellung mit in Finnland entstandenen Arbeiten. All forms of Attraction lautet der Titel einer Monografie, die 2006 vom Tang Museum Saratoga Springs anlässlich einer 10-Jahres-Retrospektive ihrer Arbeiten veröffentlicht wurde.