Fluid Rooms (Warten)

Kunst im öffentlichen Raum der S-Bahnstation Othmarschen

Installation, Fotografien und Video, 2009

Modell entstanden während des Projektes "Fluid Rooms (Warten)", courtesy/copyright: Achim Aisslinger

Modell, entstanden während des Projektes "Fluid Rooms (Warten)", 2009, courtesy/copyright: Virginia Brunnert

Der S-Bahnhof Othmarschen, ein stadt(teil)räumlicher Transitionsort des Wartens, wurde mit den Mitteln von Kunst, Performance und Architektur im öffentlichen Raum neu erfahren und in Teilen gestaltet, um (private) Nischen und Schutzträume zu schaffen. Das Besondere an dem Projekt war, dass die Schüler fächerübergreifend arbeiteten: mittels Performance, Architektur und Kunst wurden eine scheinbar vertraute Umgebung neu entdeckt, der S-Bahnhof mit allen Sinnen untersucht und Schüler und Reisende dazu angeregt, eine neue Identität dieses Raumes zu erschaffen.

An einem intensiven Projekttag mit der Performancekünstlerin Katharina Oberlik wurde der S-Bahnhof und das Thema WARTEN spielerisch und körperlich erforscht, um Gesehenes experimentell zu erfahren. Grundlage dieser eigenen Performances waren die vorangegangen Beobachtungen der Schüler. Wie verhalten sich die Reisenden und Wartenden? Wie vermischen sich private und öffentliche Räume? Wie wird gewartet? Welche Regeln gibt es?

Die scheinbare und ausgestellte Privatheit im öffentlichen Raum des Nahverkehrs konnte für künstlerische performative und auditive Interventionen am Bahnsteig genutzt werden. Die Performer stellten sich und ihre privaten Handlungen aus, brachen Regeln und setzten neue auf, um die Reisenden mit Neuem zu konfrontieren. Im Sinne eines „Unsichtbaren Theaters”  wurden die Wartenden zum Nachdenken und Mitmachen angeregt.

Im 2. Teil des Projektes arbeiteten wir mit dem Architekten Achim Aisslinger zusammen, um einen künstlerischen Entwurf für einen gewählten Bereich des S-Bahnhofs zu entwickeln, der sich u.a. mit folgender Frage beschäftigte: Wie schafft man in diesem öffentlichen Warteraum private Schutzräume? Die Schüler lernten neue Fertigkeiten aus dem Bereich Architektur im Umgang mit technischen Ansichten, Schnitten, Grundrissen und der Herstellung von Modellen kennen, um ihre eigenen Modelle so zu entwickeln, dass sie den Anforderungen von „Kunst und Architektur im öffentlichen Raum“ entsprachen.

Die resultierenden Entwürfe und Modelle heben die spezifische Identität des Ortes mit seinen Nutzern hervor. Die Projekte spannen einen Bogen von Platzgestaltungen wie gartenähnlichen Anlagen oder beach clubs über „multiples“, also wiederholt auftauchende gleichgestaltete Objekte, bis hin zu räumlichen Entwürfen mit kreativen Konzeptionen, wie etwa die Rolltreppe zum drive-through-Imbiss umzudeuten oder den Bahnsteig komplett einzuhausen, um durch Schiebetüren direkt in die S-Bahn einzusteigen. (Text: Virginia Brunnert u.a.)

Beteiligte Schüler/innen des Gymnasiums Hochrad:
Leon Agius, Alena von Ancken, Johanna Braun, Hendrik Doll, Jale Frotscher, Johanna Grimpe, Valentina Harrendorf, Sina Heidenreich, Gina Hennies, Leonard Jährig, Lenard Lehmann, Nina Loderhose, Malina Meyer, Thilo Pötzold, Lorenz Riemer, Patricia Römeth, Paloma Saalbach, Alia Scheid, Tatjana Seebode, Dae-Seung Seon, Marc Vetter

Projektleitung: Virginia Brunnert, Kunstlehrerin; Anleitung: Katharina Oberlik, Performance-Künstlerin; Achim Aisslinger, Architekt