Auswahl aus Projekten

Dokumentationen

Projekt "Tanner und Holzer", 2006/07, Freilichtmuseum Ballenberg, courtesy/copyright: Hanswalter Graf

Projekt "Tanner und Holzer", 2006/07, Freilichtmuseum Ballenberg, courtesy/copyright: Hanswalter Graf

Hanswalter Graf – Ein Kunsthaus Marke Eigenbau

Parallel zur partizipatorischen Kunst der neunziger Jahre und doch ganz unabhängig davon hat der Thuner Künstler Hanswalter Graf eine Reihe von Kunstprojekten entwickelt, in denen das aktive Miteinander sowie die Erweiterung von Seh- und Denkgewohnheiten im Zentrum steht. „Kunst als Handlungsform“, ein aus den siebziger Jahren stammender Begriff, gewinnt in Grafs lokal verankerter Kunstpraxis eine überraschende Aktualität.

„Ich bin nicht Kunstvermittler, sondern Initiator“. Wer die Arbeit von Hanswalter Graf verfolgt, versteht bald, warum der Thuner Künstler auf dieser Unterscheidung besteht. Denn auf den ersten Blick könnte man seine Projekte durchaus als Vermittlungsarbeit, als ein Hinführen von Kindern und Jugendlichen, manchmal auch Erwachsenen, zur Praxis und Theorie der Kunst, (miss)verstehen.

In den neunziger Jahren haben neue künstlerische Strategien, oft unter dem Sammelbegriff  „Interventionen“ subsumiert, von sich Reden gemacht. Kennzeichnend für diese Kunstprojekte war eine partizipatorische Praxis, meist verbunden mit direkten Eingriffen in gesellschaftliche Systeme oder politisch aufgeladene, öffentliche Räume. Eine Vielzahl von Publikationen haben diese neue soziale Praxis reflexiv begleitet. Hanswalter Graf hat von dieser Kunstpraxis zwar Kenntnis genommen, seine Projekte aber ganz unabhängig davon entwickelt.

Auf Vorbilder oder Verwandtschaften angesprochen, nennt er vielmehr den Architekten Gion A. Caminada, der in seinem Heimatort, dem Bergdorf Vrin im Val Lumnezia in der Surselva, eine Architektursprache entwickelt hat, die auf der lokalen Tradition beruht und diese weiter entwickelt. Insbesondere der Einbezug der Dorfgemeinschaft in den Entstehungsprozess der Projekte, beispielsweise der öffentlichen Totenstube, hat für Hanswalter Graf Vorbildcharakter. Nicht ein politischer Impetus, wie er für interventionistische Kunst bezeichnend war (und ist), sondern ein humanistisches Bildungsideal, das heißt die Förderung der Persönlichkeit und der ganzheitlichen Fähigkeiten des Menschen, prägt die künstlerische Arbeit von Hanswalter Graf. Das mag auf Anhieb etwas altbacken klingen, hat aber angesichts der neoliberalen Zurichtung des Bildungssystems einige Sprengkraft.
(Edith Krebs, Textauszug)

Hanswalter Graf, geboren 1961, lebt und arbeitet in Thun. Er wagt mit seinen Arbeiten, die seit 1995 ausschließlich im öffentlichen Raum und mit öffentlichen Institutionen stattfinden, eine Mischung aus Kunst und Architektur. Er studierte bis 1993 an der Kunstakademie Düsseldorf Integration Kunst und Architektur. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit bildet die Einbeziehung der Menschen, die in den umzugestaltenden oder noch zu bauenden Häusern wohnen oder arbeiten werden. Wünsche, Bedürfnisse, Ideen werden aufgegriffen. Umsetzungen finden sich in temporären Installationen, Workshops, die die Auseinandersetzung mit Architektur und Kunst fördern bis hin zu kompletten Umgestaltungen von Gebäuden. So machte er zuletzt im Rahmen der Kunstaktion TECAN Tuning 2008 in Salzburg den Mitarbeitern einer Schweizer Firma ihr Firmengebäude mit Hilfe der Eiffelturm-auf-der-Hand-Technik erfahrbar. Ebenfalls 2008 war er maßgeblich an der Gestaltung des Kunsthauses Winklen (Schweiz) beteiligt, bei dem alle Kinder einer Schule zu Künstlern wurden.