Wie in einem Spiegel oder Seit ich die Sprache lerne, die ich spreche

Powerpoint-Installation, 2009

"Wie in einem Spiegel oder Seit ich die Sprache lerne, die ich spreche", 2009, courtesy/copyright: Christine Lemke

"Wie in einem Spiegel oder Seit ich die Sprache lerne, die ich spreche", 2009, copyright: Cornelesen Verlag, Berlin 2004

„Die Sprache ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration“, lautet eine der zentralen Thesen des 2005 in Kraft getretenen neuen Zuwanderungsgesetzes. Den Kern des bundesweiten Integrationsprogramms bilden seither die so genannten Integrationskurse. Programmatische Zielsetzung ist es, die Vermittlung der deutschen Sprache mit auf Migranten zugeschnittenen lebenspraktischen Inhalten und landeskundlichen Elementen über Deutschland, deutsche Kultur und Geschichte zu verbinden.

Christine Lemke, die neben ihrer künstlerischen Tätigkeit auch als Dozentin für Deutsch als Zweitsprache Integrationskurse unterrichtet, hat Bild- und Textmaterial aus den vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zugelassenen Lehrwerken für Integrationskurse zusammengetragen und zu einer kommentierten Sammlung verdichtet. In ihrer analytischen Auswahl kreist sie um unterschiedliche Fragestellungen und Felder der Untersuchung:
Wie wird eine ‘deutsche Lebenswirklichkeit’, wie ein ‘deutscher Alltag’ repräsentiert? Wie werden die Figuren, Akteure und Personen, die in den Fotografien, Illustrationen und Texten der Lehrbücher auftauchen, als migrantische oder deutsche unterschieden und dargestellt? Welche Vorstellungen vom ‘Typischen’ oder ‘Normalen’ werden verallgemeinert und aufbereitet? Wie werden Frauen und Männer, wie ihr Verhältnis zueinander entworfen? Welcher Begriff von ‘Kultur’ wird in den Lehrwerken benutzt und abgebildet? Und auf welche Art und Weise wird für einen imaginierten Blick von außen eine ‘deutsche Identität’ konstruiert?

Christine Lemke, geboren 1967, in Bad Schwalbach im Taunus, lebt und arbeitet als Künstlerin/Autorin in Berlin. Sie studierte Literaturwissenschaft und Bildende Kunst in Düsseldorf und an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und hatte ein Residenzstipendium an der Jan van Eyck Academie in Maastricht, NL. Sie veröffentlichte Essays, Katalogbeiträge und Rezensionen u. a. in Andere Sinema, Kunst-blog.com, LAB Magazine, Texte zur Kunst. Ihre Textsammlung How they met themselves erschien 2006 bei Editions Lebeer Hossmann, Brüssel. Neben Ausstellungsbeteiligungen führt sie performative Lesungen auf, zuletzt in Kooperation mit Stefanie Seibold Chrystal C – don’t copy me!. Kürzlich veröffentlichte sie ihr erstes Hörstück Loop auf Vinyl (Le musée imaginaire 1), Doris Lasch/Ursula Ponn & Willem Oorebeek) bei brokensilence und Revolver Publishing.