Besetzen oder Bewegen

Das Occupy-Hamburg Camp auf dem Gerhard-Hauptmann-Platz

Andrea Knobloch, 29.03.2012


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Gemeinschaft wirkt gespalten. Innere Transparenz fehlt völlig. Einzelaktionen müssen unbedingt mit der Gemeinschaft kommuniziert werden, um mangelnder Transparenz und Isolation entgegen zu wirken.
zitiert nach: http://www.occupyhamburg.org/ Protokoll Versammlung 23.3.2012

Der Gerhard-Hauptmann-Platz in Hamburg öffnet die Mönckebergstraße zur Alster und zum Jungfernstieg hin: Zwischen der Einkaufsmeile der Kaufhäuser und Ketten und dem gehobenen Bedarf des gediegenen Einzelhandels am Alten und Neuen Wall steht das Thalia Theater. Der wunderschöne Theatersaal mit vornehm grau gepolstertem Gestühl hat schon häufig wortreichem Widerspruch gegen das Unerträgliche aber anscheinend Unabwendbare eine tröstlich schöne und wärmende Umgebung geboten.

Komfort geht dem Protest vor der Tür gänzlich ab. Die Zelte und improvisierten Buden zwischen den gepflasterten Bodenwellen rühren, weil man sich im zugigen Wind nur zu gut vorstellen kann wie kalt und hart die Nächte hier verbracht werden. Occupy-Hamburg schläft auf Europaletten und trifft sich immer Donnerstags in der Jurte zum Workshop. Fast jede Unterkunft ist behängt und bemalt mit Wünschen und Visionen, die nach einem erfüllten Leben in einer tragenden Gemeinschaft rufen. Dem Camp sieht man an, wie schwer so etwas zu organisieren und wie wenig verlockend der Weg dahin ausgestattet ist.

Ob der geplante Umsonstladen zwischen Pimkie und Mac Donalds hier sein Publikum finden wird, bleibt abzuwarten. Ebenso scheint es fraglich, ob ein Garten an dieser Stelle die Wende hin zu einem respektvollen Umgang mit Stadtnatur einleiten wird. Die unermüdlich auf Besseres Hoffenden der Occupy-Bewegung sitzen der Stadt im Pelz. Die Rhetorik der Besetzung widerspricht zwar dem eigenen Anspruch, eine „Bewegung“ zu sein, also sich und andere in Bewegung versetzen zu wollen. Trotzdem bleibt zu hoffen, dass im Vielerlei der Forderungen Möglichkeiten gefunden werden, Empörung in ein Handeln zu wenden, das aus dem Camp einen Campus werden lässt.