Zürich rührt sich
Marionettentheater, 2007 / 2009

Installationsansicht "Zürich rührt sich", Shedhalle Zürich, 2007, courtesy/copyright: Andrea Knobloch
Das Projekt Zürich rührt sich thematisiert Ausformulierungen von Bewegung als körperliche Aktivität im Raum parallel zum Wandel der Produktionsbedingungen (Industrialisierung, De-Industrialisierung, Dienstleistungs- und Freizeitgesellschaft) seit Beginn des vorigen Jahrhunderts bis heute.
Dabei interessiert es sich insbesondere für das widerständige und emanzipatorische Potential des sich im städtischen Raum freizügig bewegenden Körpers. Das Sich-Selbst-Bewegen, im Sinne einer selbst bestimmten Führung und Gestaltung des eigenen Lebens, wird dabei als eine Praxis der Mitgestaltung dieser Räume interpretiert, denn die Arbeit an der Gestaltung des eigenen Lebensraums wirkt in kollektiv genutzte Räume hinein. Diese Arbeit kann als eine in gegenwärtiges Handeln verwebte utopische Praxis verstanden werden, die an Versuche der Reformbewegungenvom Anfang des letzten Jahrhunderts anknüpft, individuelle Freiheit kollektiv zu verwirklichen.
Während und nach dem ersten Weltkrieg konzentrierte sich in Zürich eine einzigartige Konstellation von Persönlichkeiten: Sowohl Rudolf von Laban, der als maßgeblicher Entwickler des modernen Ausdruckstanzes bis heute Geltung hat, als auch seine Schülerinnen Suzanne Perrottet, Mary Wigman und Sophie Taeuber lebten und arbeiteten in der Stadt. Das Projekt Zürich rührt sich formuliert sich als Marionettentheater und stellt historische und zeitgenössische Persönlichkeiten, die die Entwicklung der Bewegungs- und Körperkultur entscheidend geprägt haben, als Figurinen mit präzise definierten Bewegungsradien im Zusammenhang eines an historischen Fakten orientierten Szenarios vor.
Andrea Knobloch, geboren 1961 in Hamburg, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Nach dem Studium der Freien Kunst / Bildhauerei an der HfBK Hamburg und dem Abschluss als Meisterschülerin an der Kunstakademie Düsseldorf 1992, entwickelt Andrea Knobloch kontextbezogene Projekte und Raumarbeiten, in denen sie alltägliche Lebenswelten und Gestaltungen erforscht, dokumentiert und neu interpretiert. Untersucht werden die Wechselbeziehungen zwischen materieller Erscheinung und darin eingebetteten sozialen / politischen Strategien der Aneignung und Nutzung von Räumen. Sie arbeitet theoretisch und praktisch zu den Themen »Kunst und Öffentlichkeit«, »Kunst und Stadtentwicklung« sowie »Stadtnatur«. Zuletzt war sie u. a. an folgenden Projekten beteiligt: Reise nach Surinam, Festival der Regionen, Linz (2009), Schöne neue Welt, in der Reihe STADTanSICHTEN, ifa-Galerien Berlin, Stuttgart (mit Silke Riechert, 2008).
